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Kinder- und Jugendsportbericht

Dritter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht – Seit mehr als vierzig Jahren widmet sich die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung der Förderung des Kinder- und Jugendsports. Hierzu gehören Vorhaben im Bereich des Vereins- und Schulsports, Projekte zur Bewegungsförderung in Kindertagesstätten und Kooperations­vorhaben zwischen Bildung und Sport. Im Jahr 2003 ist ein besonderes Vorhaben hinzugekommen: der Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht.

Im Auftrag der Krupp-Stiftung thematisieren Sportwissenschaftler, Pädagogen, Sportmediziner und Sportsoziologen den Kinder- und Jugendsport in Deutschland aus verschiedenen Blickwinkeln, weisen auf offene Fragen hin und formulieren Handlungsempfehlungen.

Schwerpunktthema des dritten, im Jahr 2015 erschienenen Berichts: Kinder- und Jugendsport im Umbruch. Wie ist die Ausgangslage und zu welchen Ergebnissen kommt der Bericht? Bekannt ist: Bewegung, Sport und Spiel sind essenziell für Kinder und Jugendliche. Sie fördern die körperliche und geistige Entwicklung und die soziale Kompetenz. Die hohe Bedeutung des Sports für Kinder und Jugendliche ist gesellschaftlich anerkannt und wird positiv bewertet. Noch immer spielt der Sportverein in Deutschland eine dominierende Rolle. Und dennoch: Noch nie gab es so viele gleichzeitig wirkende Faktoren des Wandels, der Veränderung und der Neuerung im Kinder- und Jugendsport wie heute. Und diese Entwicklung ist noch nicht zu Ende.

Beispiel Sport und Schule

Durch Veränderungen im Bildungswesen, wie die Eta­blierung von Ganztagsschulen und die Verkürzung der Gymnasialschulzeit auf acht Jahre (G 8), verbringen die Kinder heute mehr Zeit als früher in schulischen Einrichtungen und beim Lernen am heimischen Schreibtisch. Bewegungsmangel droht, und die althergebrachte Trennung zwischen Vereinssport und Schulsport löst sich auf. Vielfach kooperieren Ganztagsschulen und Sportvereine und schaffen ein Angebot im Schnittfeld von Schulsport und Vereinstraining. Doch noch begegnen sich Schule und Verein zu selten auf Augenhöhe, um gemeinsame Zielsetzungen zu vereinbaren.

Thema Integration

Viele sprechen über das Integrationspotenzial des Sports, doch zu wenige erkennen, dass Integration durch Sport kein Automatismus ist. Sport eignet sich hervorragend als Medium, um Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund zu erreichen. Allerdings mangelt es dem Sport vielfach noch an zielgerichteten pädagogischen Konzepten für Integrationsarbeit.

Problemfall Leistungssport?

Kaum eine Sportszene hat so großen Einfluss auf die Wahrnehmung des Sports in der breiten Öffentlichkeit wie der Leistungssport. Der Leistungssport stellt jedoch schon früh hohe, vielfach zu hohe Anforderungen an die jugendlichen Teilnehmer. Sportmediziner sind alarmiert davon, dass in den Leistungssport eingebundene Jugendliche häufig körperliche oder psychische Probleme ausblenden und verdrängen, um nicht zurückzufallen oder ihre Förderung zu verlieren.

Jugend Sportbericht Web

Ursula Gather, Vorsitzende des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-­Stiftung, zusammen mit Alfons Hörmann (links), Präsident des DOSB, und Bundesinnenminister Thomas de Maizière bei der Vorstellung des Dritten Deutschen Kinder- und Jugendsportberichts

Bewegung, Sport und Spiel sind essenziell für Kinder und Jugendliche. Sie fördern die körperliche und geistige Entwicklung und die soziale Kompetenz.

Tabuisierte Gewalt

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist ein Thema, das in der Sportwelt immer noch tabuisiert wird: Die Autoren fordern, dass sich der organisierte Sport der Problematik zukünftig intensiver als bisher annimmt und eine Kultur der Achtsamkeit im Sport fördert. Die Frage, wie dem Problem der sexualisierten Gewalt wirkungsvoll begegnet werden kann, müsse auch fester Bestandteil der Aus- und Fortbildung von Übungsleitern, Trainern sowie Verantwortlichen in den Vereinen und Verbänden werden.

Lebensgefühl Trendsport

Besonders populär und mit der Aura der Insiderszene umgeben ist der Trendsport. In seiner Vielfalt von Sportarten ist er zu einem selbstverständlichen Bestandteil der Sport- und Bewegungskultur von Heranwachsenden geworden. Der Trendsport in all seinen Formen zeichnet sich durch den Hang zur Selbstinszenierung und eine permanente Erlebnissuche aus. Die mediale Kommunikation über eigene sportliche Aktivitäten ist zum integralen Bestandteil des Sports geworden und dokumentiert das besondere Lebensgefühl des Trendsportlers. Zu jeder Trendsportart gehört eine Szene, in der eigene Rituale und Bedeutungen vorherrschen, ebenso wie ein eigener Stil und eine eigene Sprache. Damit unterscheidet sich der Trendsport grundlegend von den herkömmlichen, historisch gewachsenen Sportszenen.

Beispiel „Kinderrechte“

Nicht nur in Deutschland, auch in anderen Ländern verändert sich der Kinder- und Jugendsport. Manche Pro­bleme ähneln einander, und es gibt innovative Lösungsvorschläge. So hat Norwegen die „Kinderrechte des Sports“ eingeführt, welche die Verbände und Vereine zu besonders achtsamem Umgang mit Heranwachsenden verpflichten. Das ist beispielhaft und nachahmenswert.

Der Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht ist inzwischen zu einem Referenzwerk zum Thema Kinder- und Jugendsport geworden. Die ersten beiden Berichte mit eigenen Schwerpunkten erschienen in den Jahren 2003 und 2008.


Schmidt, W., Neuber, N., Rauschenbach, Th., Brandl-Bredenbeck, H.-P., Süßenbach, J. & Breuer, Ch. (Hrsg., 2015). Dritter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht – Kinder und Jugendsport im Umbruch. Hofmann: Schorndorf.