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Fußball stiftet Zukunft

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Tobias Wrzesinski

Tobias Wrzesinski wurde 1983 in Ludwigshafen am Rhein geboren. Er ist seit April 2017 Geschäftsführer der DFB-Stiftungen Egidius Braun und Sepp Herberger. Zuvor war er in der DFB-Zentrale tätig und seit 2009 stellvertretender Geschäftsführer der beiden DFB-Stiftungen. Nach Abitur und Zivildienst absolvierte Wrzesinski ein Diplom-Studium der Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Sportmanagement und Sportmarketing an der SRH Hochschule Heidelberg, das er von 2011 bis 2013 um ein berufsbegleitendes MBA-Studium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ergänzte. Seine Master-Thesis beschäftigte sich mit dem Thema „Fußball-Stiftungen in Deutschland“. Wrzesinski ist selbst Fußballschiedsrichter und war während des Studiums Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung. 

Fußball-Stiftungen – Zahlen und Fakten

Fußball ist eigentlich „nur“ eine Sportart. Eine relativ einfache sogar. In der Regel spielen zweimal elf Spieler auf einem etwa 105 mal 68,5 Meter großen Spielfeld mit einem maximal 450 Gramm schweren Ball gegeneinander. 17 Regeln definieren das Spiel. Weltweit wird nach den gleichen Spielregeln gespielt. In dieser Einfachheit liegt eine der wesentlichen Stärken der Sportart, die weltweit Menschen miteinander verbindet. Die Statistiken sind eindrucksvoll: Dem Weltfußballverband, der Fédération Internationale de Football Association, kurz: FIFA, gehören heute aufgegliedert in sechs Konföderationen insgesamt 209 Mitgliedsverbände an.1 Der sogenannte „Big Count“ der FIFA hat im Jahr 2006 ergeben, dass sich in allen FIFA-Mitgliedsverbänden insgesamt 270 Millionen Menschen aktiv im und für den Fußballsport engagieren.2 In Deutschland bezeichnen sich rund drei Viertel der Bevölkerung als fußballinteressiert.3 Laut der jüngsten DFB-Mitgliederstatistik sind derzeit 7.043.964 Mitgliedschaften in 24.958 Vereinen registriert.4 Am Spielbetrieb der 21 DFB-Landesverbände nehmen aktuell 157.313 Mannschaften teil. Darüber hinaus schätzt man die Zahl von vereinsungebundenen Fußballspielern in der Bundesrepublik auf circa zehn Millionen Menschen.5

Auch der passive Fußballkonsum hat eine immer größer werdende Bedeutung. Das Liveerlebnis in den Stadien ist begehrt: Allein in der Saison 2015/2016 kamen durchschnittlich 42.420 Besucher zu den zusammen 306 Partien im Fußball-Oberhaus (insgesamt 12.980.815 Zuschauer).6

Wer keinen Platz im Stadion findet, kann die Spiele zu Hause am TV, Radio oder im Internet verfolgen. Die unterschiedlichen Übertragungsrechte für Fußballereignisse sind für die Übertragungsanstalten heute wertvolle Güter. Das WM-Halbfinalspiel Deutschland gegen Spanien im Sommer 2010 sahen allein in der Bundesrepublik 31,1 Millionen Menschen (Marktanteil: 83,2 Prozent). Es war der erste jemals gemessene Mittelwert jenseits von dreißig Millionen Zuschauern in der deutschen TV-Geschichte.7

Zunehmende Bedeutung sozialen Engagements

Mit diesen eindrucksvollen Zahlen geht auch eine stetig wachsende gesellschaftspolitische Verantwortung einher. Spätestens als der DFB im Jahre 1995 den DFB-Bundestag unter das Motto „Fußball in unserer Gesellschaft – mehr als ein 1:0“ stellte, wurde damit das Wissen um die soziale Verantwortung des Sportverbandes explizit zum Ausdruck gebracht. Für den DFB entwickelte vor allem Präsident Egidius Braun während seiner Amtszeit von 1992 bis zum Jahre 2001 die „Drei-Säulen-Theorie“ aus Leistungssport, Breitensport und sozialem Engagement. Heute ist in der DFB-Satzung das sozial- und gesellschaftspolitische Wirken fest verankert.

Über das Bemühen innerhalb seiner eigenen Organisationsstruktur hinaus, hat der DFB bereits wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges damit begonnen, soziales und gesellschaftspolitisches Engagement auch außerhalb seiner Vereinsstruktur zu institutionalisieren und damit sein Wirken möglichst breit aufzustellen. So errichtete der DFB im Jahre 1977 gemeinsam mit Altbundestrainer Sepp Herberger die gleichnamige Stiftung. Damit wurde „ein ganz neues Kapitel im sozialen Engagement des DFB aufgeschlagen“8. Mit dem Ziel, „die ureigenen Möglichkeiten des Fußballs selbst, sein enormes menschenverbindendes Potenzial über nationale Grenzen hinweg gezielt im sozialen Sinne zu nutzen“, wurde die Organisation Nachfolgerin des DFB-Sozialwerks und engagiert sich bis heute für in Not geratene „Mitglieder der Fußballfamilie“. Mit dem Tod von Eva Herberger im Jahre 1989 wurde die Stiftung Rechtsnachfolgerin der kinderlosen Eheleute.

Als Nachfolgeorganisation des DFB-Sportfördervereins, der im Jahre 1995 als eingetragener Verein gegründet worden war, wurde im Jahre 2001 die DFB-Stiftung Egidius Braun errichtet. Im Umfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 entstand die DFB-Kulturstiftung. Darüber hinaus ist der DFB an verschiedenen Stiftungen als Mitstifter beteiligt.

Für viele aktuelle und ehemalige Fußballprofis ist soziales Engagement selbstverständlich.

Gesellschaftliches Engagement des Profifußballs

Mit dem Ziel, der „Gesellschaft etwas zurückzugeben“, errichteten der Die Liga – Fußballverband und die DFL im Januar 2009 die DFL Stiftung. Die DFL Stiftung ist nach ihrem Selbstverständnis das Dach des gesellschaftlichen Engagements des Profifußballs.

Über das Bemühen des Dachverbandes hinaus sind die 36 Klubs der Lizenzligen auch mit eigenen Projekten und Maßnahmen für die Gesellschaft respektive ihre Heimatregion engagiert. Die Organisationen stellen sich bereits vielfältig freiwillig ihrer sozialen Verantwortung, haben eigene Projekte und CSR-Marken etabliert. Auch Stiftungen und Hilfsvereine wurden geschaffen.

Für viele aktuelle und ehemalige Fußballprofis ist soziales Engagement ebenfalls selbstverständlich. Viele kümmern sich privat um Menschen in Not oder engagieren sich mit ihrer Popularität für Hilfsorganisationen. Andere institutionalisieren ihr Engagement mit Stiftungen. So sind neben Franz Beckenbauer, Uwe Seeler, Oliver Kahn, Christoph Metzelder, Philipp Lahm und Gerald Asamoah auch Per Mertesacker, Jürgen Klinsmann, Neven Subotic, Giovane Elber, Lukas Podolski und Ulf Kirsten mit Stiftungen engagiert. Manuel Neuer engagiert sich mit seiner Manuel Neuer Kids Foundation in der Rechtsform einer gGmbH.

Fußball stiftet Zukunft

Unter dem Motto ,,Fußball stiftet Zukunft‘‘ trafen sich im Oktober 2013 in Jena Vertreter von bundesdeutschen Fußballstiftungen. Im Vorfeld wurden erstmals konkrete Daten zu Stiftungen im organisierten Fußballsport erhoben, etwa zur Anzahl deutscher Fußballstiftungen und stiftungsähnlicher Organisationen, ihrem Errichtungszeitpunkt, ihren Stiftern, der Höhe des Stiftungsvermögens, zu Förderschwerpunkten, Wirkungskreisen und jährlich verausgabten Fördersummen. Auch Motive und die gelebte Stiftungsphilosophie bildeten einen Gegenstand der Untersuchung. Hierzu sei auf die Ausführungen in der „Zeitschrift für Stiftungs- und Vereinswesen“9 sowie im Fachbuch „CSR und Sportmanagement“10 verwiesen.

„Fußballstiftungen“ im Sinne dieser Erhebung sind Stiftungen des bürgerlichen Rechts (SdbR) oder stiftungsähnliche Rechtsformen (Treuhandstiftungen, gGmbHs), die von juristischen oder natürlichen Personen aus dem Bereich des deutschen Fußballsports errichtet wurden. Unterschieden werden drei Kategorien: A Verbandsstiftungen, B Vereinsstiftungen, C Spielerstiftungen (vgl. Tabelle 1).

Insgesamt ist auf dieser Basis von mehr als dreißig Fußballstiftungen in Deutschland auszugehen. Tendenz steigend, daher hat Tabelle 1 keinen Anspruch auf Vollständigkeit.


1 FIFA (2017). http://de.fifa.com/association... (28.4.2017). | 2 FIFA (2006). FIFA Big Count 2006: 270 million people active in football, Zugriff unter http://de.fifa.com/mm/document... (20.7.2013). | 3 Sportfive (2007). Fußballstudie 2007. Hamburg. S. 8. | 4 DFB (2017). Mitglieder-Statistik 2017. Zugriff unter http://www.dfb.de/verbandsstru... (26.9.2017). | 5 DFB (2007). Fußball ist Zukunft – Konzeption des DFB-Fußballentwicklungsplans. Frankfurt a. M. S. 3. | 6 DFB (2017). http://www.dfb.de/bundesliga/s... (28.04.2017). | 7 SID (2010). TV-Rekord bei WM-Halbfinal-Aus, Zugriff unter http://www.focus.de/sport/fuss... (13.5.2013). | 8 Zwanziger T., Tietz O. (1999) Fußball – mehr als ein 1:0. Das soziale Engagement des DFB. In: Deutscher Fusball‐Bund (Hrsg.) 100 Jahre DFB – Die Geschichte des Deutschen Fusball‐Bundes. Berlin, S. 513–522 | 9 Wrzesinski, T. (2014). Fußball stiftet Zukunft – Eine Bestandsaufnahme der Fußball-Stiftungen in Deutschland. Zeitschrift für Stiftungs- und Vereinswesen, 2/2014, S. 66–71. | 10 Wrzesinski, T. (2014). Fußball-Stiftungen in Deutschland. In A. Hildebrandt. CSR und Sportmanagement. Berlin. S. 493–512.

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Tabelle: Übersicht über die Errichtungsjahre der bundesdeutschen Fußball-Stiftungen, eigene Darstellung