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Sportförderung in Deutschland

Förderung von Sport geschieht nicht aus einem Selbstzweck heraus. Vielmehr ist es Ergebnis einer bewussten Entscheidung.

Wenn von Sportförderung die Rede ist, denken viele Menschen zunächst an die Mittel, welche die verschiedenen Formen der Unterstützung durch die öffentliche Hand, sei es auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene, ausmachen. Es lohnt sich aber, dies noch einmal genauer in den Blick zu nehmen: Was meint Sportförderung von ihrem Grundgedanken her?

„Von einem Vorgang sagt man in Bezug auf ein Etwas, er ‚fördere‘ dieses Etwas, wenn durch diesen Vorgang Etwas realisiert wird oder dieser Vorgang für die Realisierung dieses Etwas notwendige Voraussetzung ist.“ (Clauberg & Dubislav, 1923, S. 172.) Das Etwas ist in dem hier betrachteten Fall der Sport. Grundlage ist eine Entscheidung, also ein Willensbildungsprozess, an dessen Ende die Unterstützung des Sports aus den eigenen verfügbaren Ressourcen des Entscheiders steht. Dies bedeutet, egal ob Privatperson, öffentlicher Haushalt oder Stiftung:

  1. Es muss ein Grund vorliegen, um eine solche Unterstützung zu gewähren. 
  2. Es muss eine Sinnhaftigkeit der Förderung vorliegen, welche von den relevanten Entscheidungsträgern geteilt wird. Dieser Sinn der Förderung beruht in der Förderungswürdigkeit des entsprechenden Gegenstandes, hier des Sports.

Die Art der Förderung kann sowohl in Form einer finanziellen Unterstützung als auch der Zur-Verfügung-Stellung von Sachmitteln oder des Verzichts auf Einnahmen (Preis, Gebühr) beziehungsweise staatlicherseits in Form von Steuererleichterungen vorliegen (ausführlich siehe Heinemann, 1995, S. 158; Haring, 2010, S. 44). Eine heutzutage wichtige Form bildet die Projektförderung. Dies bedeutet auch, dass die Förderzeiträume von vornherein begrenzt werden und kein Automatismus zu einer Verlängerung besteht. Projektorientierung bedeutet konzeptionelle Entwicklungsarbeit bei den Förderung wünschenden Organisationen und durchaus in vielen Fällen einen Wettbewerb mit anderen Interessenten um Fördermittel, unabhängig davon, ob dies Mittel der Sportverbände, der öffentlichen Hand oder von Stiftungen sind.

Sport als Grundlage der Förderung

Sport ist ein weites Feld der körperlichen Betätigung. Hier ist nicht der Ort, um die Diskussion zur Einordnung einzelner Aktivitäten als Sport oder Nichtsport zu führen. Für die Charakterisierung der Sportförderung reicht es zunächst einmal aus, die Spanne von Gesundheits-, Breiten-, Wettkampf- und Spitzensport zu umreißen. Insgesamt werden der sportlichen Betätigung verschiedene wichtige Funktionen zugeschrieben, welche ihre Bedeutung für die Gesellschaft ausmachen. Gesundheitliche, soziale, pädagogische Funktionen sind zu nennen, die Schaffung einer Identifikation und die Darstellung im internationalen Sportgeschehen ist ein weiterer Aspekt.

Der als Wirtschaftsunternehmen betriebene Sport vor allem in Profiligen soll in diesem Zusammenhang nicht weiter aufgegriffen werden, auch wenn zum Beispiel die öffentliche Investition in Infrastruktur durchaus auch der Sportförderung zuzuschreiben ist.

Hier sollen für die Sportförderung die Sportvereine und -verbände im Mittelpunkt stehen, die unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) organisiert sind und als gemeinnützige Organisationen eine wichtige Grundlage für die Begründung der Förderung mitbringen.

Eine andere Facette ist die Förderung von Sportveranstaltungen verschiedener Größe, sei es teilnehmerorientiert (zum Beispiel Internationales Deutsches Turnfest, Marathon- oder Triathlonveranstaltungen „für jedermann“) oder zuschauerorientiert, zum Beispiel Welt- und Europameisterschaften in verschiedenen Disziplinen (vgl. etwa die Beiträge in Büch u. a., 2009).

Wadsack Sportfoerderung 1 Web

Sportförderung – Akteure und Umfang

Es gibt nun verschiedene Akteure in unserer Gesellschaft, die in Sport einen positiven und förderungswürdigen Zweck sehen und dafür auch entsprechende Ressourcen bereitstellen. Der Umfang lässt sich quantitativ nicht wirklich ausdrücken, da zum Teil keine entsprechenden Zahlen vorliegen und andererseits vor allem indirekte Förderungen durch die Nichterhebung von Gebühren oder immaterielle Unterstützung nicht erfass- und messbar sind.

Eine der größten und wichtigsten Positionen sind zunächst einmal die vielen Menschen, die durch ihren unentgeltlichen Einsatz das Leben der Sportvereine gestalten und sichern und in verschiedensten Funktionen wie zum Beispiel Übungsleiter, Vorstandsmitglied oder Platzwart tätig sind. Sie fördern den Sport aus dem eigenen Interesse, Sport zu ermöglichen. Sie sind auch wiederum ein wichtiges Argument für die Unterstützungsbereitschaft seitens anderer Akteure.

Des Weiteren sind die öffentlichen Kassen zu nennen, die nach Angaben bei Daumann (2015, S. 305) für das Jahr 2008 Zuwendungen von circa 3,9 Milliarden Euro ausmachten, wobei er auf Unschärfen bei der Erfassung hinweist (vgl. auch Heinemann, 1995, S. 158). Vor allem die kommunale Sportförderung weist sehr große Unterschiede zwischen einzelnen Kommunen auf (vgl. Daumann, 2015, S. 304). Diese hat aber mit der Bereitstellung von (Schul-)Sportstätten beziehungsweise der Unterstützung beim Unterhalt von Vereinssportstätten eine besondere Bedeutung für die Ermöglichung der Sportvereinsangebote (vgl. Haring, 2010, S. 50–52).

Schwerpunkte der Sportförderung auf Landesebene sind die Bildungspolitik, der Sportstättenbau sowie die Unterstützung des organisierten Sports vor allem bei der Ausbildung von Übungsleitern und der Jugendarbeit. Ebenfalls werden auf Landesebene die unteren Stufen des Leistungssports von der Talentfindung und -förderung bis zur Heranführung an die Bundeskaderebene unterstützt. Als wichtige Finanzierungsgrundlage dienen Erlöse aus den staatlichen Lotterien (vgl. Haring, 2010, S. 58–60).

Neben dem Hochleistungssport erfolgt die Sportförderung auf Bundesebene für Bereiche der gesamtstaatlichen Repräsentation etwa in der Entwicklungszusammenarbeit, der Gesundheitsversorgung und im Bereich sportwissenschaftlicher Forschung (vgl. Haring, 2010,S. 46–47).

Einen erheblichen Anteil der Förderung des Sports machen die Vorteile der Gemeinnützigkeit aus, welche Sportvereinen in der Regel eingeräumt werden (vgl. etwa Wadsack & Wach, 2013).

Als Grundlagen der Sportförderung aus öffentlichen Haushalten werden die Autonomie des Sports, das Subsidiaritätsprinzip und die partnerschaftliche Zusammenarbeit angeführt (vgl. etwa Fahrner, 2012, S. 145–146). Im Zuge der Übernahme von gesellschaftlich wünschenswerten Aufgaben in Verbindung mit einer gezielten Förderung kann jedoch auch eine gewisse Steuerungswirkung erkannt werden (vgl. Thieme & Wadsack, 2013, S.  15).

Ein Teil dieser Gelder wird über die Sportverbände auf Bundes- und Landesebene in den Sport eingespeist. Auf kommunaler Ebene sind die Vereine meist der direkte Empfänger von Fördergeldern, wobei eine Kumulation von Förderungen aus verschiedenen Quellen durchaus anzutreffen ist.

Für die Stiftungen in Deutschland ist kein Eurowert bekannt, der auf den Sport entfällt. Jüngst wurde jedoch auf die Zahl von mehr als 2000 rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts mit Bezügen zum Sport hingewiesen (vgl. Bundesverband Deutscher Stiftungen, 2015, S. 17).

Eine weitere Finanzierungsquelle im Sinne der Sportförderung sind Spenden, welche im Zuge verschiedener Fundraisingaktivitäten dem Sport zugutekommen. Nach einer Studie von GfK und Deutschem Spendenrat wurden im Jahr 2015 circa 3,4 Milliarden Euro Spendeneinnahmen von Privatpersonen verzeichnet. Davon waren etwa 2,3 Prozent dem Sport zuzuordnen (vgl. GfK & Deutscher Spendenrat, 2015, S. 15).

In den letzten Jahren hat sich das Crowdfunding als weitere Variante des Fundraisings auch im Sport für das Sammeln von Spenden ausgebreitet. Auf speziellen Internetplattformen für den Sportbereich oder allgemeinen Crowdfunding-Plattformen werden Projekte vorgestellt und Unterstützer haben dort die Möglichkeit, sich an der Realisierung durch eine Geldzahlung zu beteiligen. Sportspezifische Zahlen zur Verbreitung und Wirkung dieses Instrumentes sind zurzeit nicht bekannt.

Einen Grenzbereich bilden Teile des Sponsorings, indem in der geschäftlichen Form ein Leistungsaustausch Geld gegen Kommunikationsrechte vorliegt, welche in der Nutzung dem kaufenden Unternehmen zugutekommen sollen. Allerdings gibt es auch hier Argumentationen, mit der Sponsoring in die Nähe der Sportförderung gerückt wird (vgl. etwa Bruhn, 2010, S. 9), um daraus einen sozialen Anspruch der Unterstützung zu dokumentieren.

Die weniger auf die strategisch angelegte kommunikative Wirkung angelegten Arrangements unter dem Titel Sponsoring werden teils auch als „Sweatheart-Deals“ bezeichnet und rücken in die Nähe des Mäzenatentums (vgl. Schmitgen & Schilhaneck, 2016, S. 20).

Im Profisport findet sich mit Fananleihen ein weiteres Instrument, welches durchaus Bezüge zur Sportförderung aufweist. Da der Verkauf der Fananleihen auf die Verbundenheit der Fans mit dem Profiteam spekuliert, kann hier eher von einer Sportförderung als von einem Anlage­instrument zur Erzielung von Kapitalerträgen ausgegangen werden.

Nicht dem Förderungsbereich zuzurechnen sind weitere Mittelflüsse im Sport. Zu nennen sind die Mitgliedsbeiträge der Vereinsangehörigen, welche neben der unentgeltlichen Mitarbeit originär die wirtschaftliche Existenz des Sportvereins sichern sollen. Erwirtschaftete Einnahmen zum Beispiel aus Festen und Feiern oder aufgenommene Kredite sind keine Mittel, die dem Bereich der Sportförderung zuzurechnen sind (zu den Optionen siehe auch Vilain, 2006, S. 34).

(…) mehr als 2000 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts mit Bezügen zum Sport (…)

Grundlage der Sportförderung – gesellschaftliche Legitimation

Wie schon angesprochen, benötigen die fördernden Organisationen und Individuen einen sinnvollen Grund, um die Förderungsüberlegung auszulösen und eine entsprechende Aktion zu starten. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Bedeutung des Sports auf individueller beziehungsweise gesellschaftlicher Ebene.

Die individuelle Verbundenheit kann sich aus dem eigenen Sporttreiben, der Liebe zu einer Sportart und den positiven Erfahrungen in einem heimatlichen Sportverein ergeben. Der Anspruch einer gesellschaftlichen Bedeutung ist ungleich schwieriger zu erfassen. Was trägt der Sportverein oder was tragen die Sportvereine vor Ort zu der gesellschaftlichen Entwicklung in dem sie umgebenden Gemeinwesen bei? Eine Frage, welche zum Beispiel mit dem Konzept des Legitimationskapitals aufgegriffen werden kann. „Die Legitimation beziehungsweise das Legitimationskapital drücken die sachlich argumentierte gesellschaftliche Bedeutung des Sportvereins zu einem bestimmten Zeitpunkt aus.“ (Wadsack & Wach 2010, S. 5.) Dies bedeutet, die Vereinsaktivitäten in Relation zu den Zielen der Kommune als Ausriss der Gesellschaft zu setzen, in der sich der Sportverein befindet. Mit Blick auf das Stadtmarketing können zum Beispiel die Beteiligung an der Stadt-/Quartiersentwicklung, die Übernahme beziehungsweise der Betrieb von Sportstätten, die Qualität der Möglichkeiten zu freiwilligem Engagement oder die Attraktivität der Stadt für (Neu-)Bürger durch ein reizvolles Sportangebot genannt werden (vgl. Wadsack, 2015, S. 207–208).

Die Begründung des Förderanspruches von Sport wird an vielen Stellen in den letzten Jahren vor allem aus Richtung der Politik vorgetragen, um damit eine Hilfestellung für die Begründung der Förderentscheidung aus öffentlichen Haushalten zu haben.

Eine Schwierigkeit für einzelne Facetten des Sports ergibt sich aus den manipulativen Ereignissen vor allem im öffentlichkeitswirksamen Leistungs- und Profisport. Doping, Wettbetrug und Korruption widersprechen dem Anspruch des Fair Play und bringen den Sport zumindest in einzelnen Bereichen in Misskredit. Eine schwierige Ausgangssituation für die Auslösung von Förderungsbereitschaft.


Bruhn, M. (2010). Sponsoring. 5. Aufl. Wiesbaden: Gabler. | Büch, M.-P., Maennig, W. & Schulke, H.-J. (Hrsg., 2009). Sportfinanzierung – Spannungen zwischen Markt und Staat. Hamburg: Hamburg University Press. | Bundesverband Deutscher Stiftungen (Hrsg., 2015). Stark im Geben: Stiftungen im Sport. Berlin. | Clauberg, K. W. & Dubislav, W. (1923). Systematisches Wörterbuch der Philosophie. Leipzig: Meiner. | Daumann, F. (2015). Grundlagen der Sportökonomie. 2. Aufl. Konstanz und München: UVK/UTB. | GfK & Deutscher Spendenrat (Hrsg.). Spendenjahr 2015, Trends und Prognose. www.spendenrat.de/wp-content/u... (11.12.2016). | Haring, M. (2010). Sportförderung in Deutschland. Wiesbaden: VS. | Heinemann, K. (1995). Einführung in die Ökonomie des Sports. Schorndorf: Hofmann. | Schmitgen, A. & Schilhaneck, M. (2016). Fallstudie: Sponsoring im Mittelstand: Sweat­heart-Deal vs. strategisches Investment. Sciamus, 1/2016, S. 20–28. | Thieme, L. & Wadsack, R. (2013). Sportförderung, öffentliche. In Th. Bezold u. a. (Hrsg.). Handwörterbuch des Sportmanagements. 2. Aufl. S. 311–316. Frankfurt a. M.: Lang. | Vilain, M. (2006). Finanzierungslehre für Nonprofit-Organisationen. Wiesbaden: VS. | Wadsack, R. (2015). Legitimationskapital und Stadtmarketing im Sport. In A. Hebbel-Seeger, Th. Horky & H.-J. Schulke (Hrsg.), Sport und Stadtmarketing. S. 196–210. Noederstedt: BoD. | Wadsack, R. & Wach, G. (2010). Legitimationskapital als Ressource von Sportvereinen. In Sciamus, 4/2010, S. 1–14. | Wadsack, R. & Wach, G. (2013). Gemeinnützigkeit. In Th. Bezold u. a. (Hrsg.), Handwörterbuch des Sportmanagements. 2. Aufl. S. 104–110. Frankfurt a. M.: Lang. | Fahrner, M. (2012). Grundlagen des Sportmanagements. S.145–146.

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Prof. Dr. Ronald Wadsack

Prof. Dr. Ronald Wadsack ist seit dem Jahr 2000 Professor am Institut für Sportmanagement an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Salzgitter. Wadsack unterrichtet in den Studiengängen Sportmanagement, Stadt- und Regionalmanagement sowie Führung in ienstleistungsunternehmen. Neben seinen Tätigkeiten an der Hochschule hält der Professor Vorträge und publiziert zu Themen des Vereins- und Verbandssports.