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Zahlen, Daten und Fakten zu Stiftungen und Sport

Über Stiftungen als Akteursgruppe im Bereich Sport und Bewegung ist noch wenig bekannt. Daher lohnt ein Blick auf Daten und Fakten zum Stiftungshandeln in diesem Feld: von den historischen Wurzeln und den Motiven der Stifterinnen und Stifter über Zahlen zu sportfördernden Stiftungen bis zu einem Überblick über die verschiedenen Förderarten und -instrumente von Stiftungen im Sportbereich.

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Birgit Radow

Birgit Radow ist stellvertretende General­sekretärin des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen.

Der Beitrag deutscher Stiftungen zur Förderung der Sport- und Bewegungskultur in der Bundesrepublik Deutschland ist ein nahezu unbeschriebenes Blatt. Denn bisher liegen keine Forschungsarbeiten oder Analysen vor, die einen Überblick über die Aktivitäten von Stiftungen im Feld Sport geben. Vorhandene wissenschaftliche Arbeiten konzentrieren sich eher auf das Wirken einzelner Stiftungen.1 Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat deshalb mit dem im Jahr 2015 erschienenen Stiftungsreport „Stark im Leben: Stiftungen im Sport“ Zahlen und Fakten zum Thema Stiftungen und Sport veröffentlicht und damit erstmals einen breiten Überblick gegeben.

Stiftungen und Sport – historische Wurzeln

Vermehrt widmen sich Stiftungen seit Anfang des 20. Jahrhunderts dem Sport im Zuge der Festigung der Vereinskultur und der Entstehung neuer Sportanlagen und -parks. So wurden um 1900 mehrere Stiftungen mit dem alleinigen Satzungszweck Sport gegründet. Die Gymnasial-­Spielplatz-­Stiftung in Detmold ist eine der ältesten sportfördernden Stiftungen. Sie wurde 1895 von dem Detmolder Bürger Franz Krohn gegründet. Krohn glaubte an die Bedeutung der körperlichen Ertüchtigung der Schuljugend und stiftete zwei Spielplätze für das Gymnasium und die Töchterschule seiner Heimatstadt.2 Sein Ziel war die „Förderung der Bewegungsspiele bei Jung und Alt“3. Heute kümmert sich die Stiftung vor allem um den Erhalt und die Instandhaltung der Anlage, einem großen Aschesportplatz mit Laufbahn und Toren. Ähnliche Zwecke haben auch die Johann Humbser’sche Stiftung, gegründet 1903 zur Errichtung und Unterhaltung von Sport- und Spielplätzen für die Fürther Schuljugend und für die öffentlichen Schulen sowie die Gretchen-Leonhard-Stiftung, ebenfalls 1903 errichtet. Der Arzt Johann Hermann Leonhard aus Mülheim an der Ruhr stiftete einen Teil seines umfangreichen Vermögens nach dem frühen Tod seiner Tochter Margarethe (Gretchen) mit dem Zweck der Einrichtung und Erhaltung der gestifteten Grundstücke als Spiel- und Sportplätze sowie der Verwaltung des Bismarckturmes als öffentliches Denkmal.

Sportaffinität und Stiftungsgründung

Das Beispiel der Gymnasial-Spielplatz-Stiftung in Detmold veranschaulicht, dass die persönliche Sportaffinität der Stifterin oder des Stifters oder auch die Assoziation des Sports mit bestimmten positiven sozialen Funktionen einen Einfluss auf die Ausrichtung der Stiftung haben. Dies zeigen auch die Beispiele anderer prominenter Stifter wie etwa Alfried Krupp: „Die traditionelle Nähe zum Sport der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung reicht von der Sportförderung durch die Firma Krupp seit dem 19. Jahrhundert bis hin zur Mitgliedschaft des [ehemaligen] Kuratoriumsvorsitzenden Berthold Beitz im Internationalen Olympischen Komitee. Der Stifter Alfried Krupp war selbst begeisterter Sportsegler, errang bei den Olympischen Spielen 1936 eine Bronzemedaille und hat der Stiftung die Segelyacht Germania VI hinterlassen.“4 Auch für Heinz Nixdorf spielte Sport eine wichtige persönliche Rolle. Sportliche Leistungen faszinierten ihn seit seiner Jugend. Gemäß seinem Motto „Der eigene Sport ist der beste!“ begann er mit der Leichtathletik, spielte dann Tennis und startete mit 45 Jahren mit dem Segelsport. Hier nahm er in der Starbootklasse an nationalen und internationalen Regatten teil. Bei der Ausrichtung seiner Stiftung orientierte er sich unter anderem an der traditionsreichen Sportförderung der Bayer AG.5 Ebenso ist es bei dem bekannten Stifter Dietmar Hopp: „Sport hat einen hohen Stellenwert in meinem Leben. Auch in den Zeiten, als wir bei SAP quasi Tag und Nacht gearbeitet haben, haben wir uns jede Woche Zeit für ein Fußballspiel oder ein Tennismatch genommen.“ Hopp betont außerdem, dass Sport auch über den reinen Fitnessaspekt hinaus wirkt, „denn er ist quasi ein Abbild des Lebens: Man lernt, Niederlagen zu verkraften, Ursachen zu ergründen, um es beim nächsten Mal besser zu machen und gemeinsam sportliche Siege zu feiern.“


Weitere Informationen

Stiftungsreport: „Stark im Leben: Stiftungen im Sport“ www.stiftungen.org

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Wie viele sportfördernde Stiftungen gibt es in Deutschland?

Laut Datenbank des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, dem umfassendsten Verzeichnis deutscher Stiftungen, haben mehr als 2000 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts Bezüge zum Sport, indem sie Sport­aktivitäten und Bewegung fördern, Sport in der Satzung aufführen oder im Stiftungsnamen tragen. Das entspricht knapp zehn Prozent aller Stiftungen dieser Rechtsform in Deutschland. Mehr als die Hälfte der sportfördernden Stiftungen (1129) wurden innerhalb der letzten zehn Jahre errichtet.

Immer mehr sportfördernde Stiftungen

Stiftungen fördern den Sport seit Ende des 19. Jahrhunderts. Von 1895 bis 1945 wurden 14 Stiftungen mit diesem Satzungszweck errichtet. 2005 bis 2011 wurden mehr als 100 sportfördernde Stiftungen pro Jahr gegründet.

Stiftungen sind vor allem Förderpartnerinnen

Knapp zwei Drittel der Stiftungen mit Sportbezug sind fördernd tätig und unterstützen einzelne Vereine oder Sportlerinnen und Sportler in ihrer Region (65,9 Prozent). Etwa ein Drittel ist sowohl fördernd als auch operativ tätig (28,7 Prozent). Nur etwa fünf Prozent der sportfördernden Stiftungen setzen ausschließlich eigene Projekte um. Damit sind rein operativ tätige Stiftungen im Sport deutlich unterrepräsentiert im Vergleich zum Anteil aller rein operativ tätigen rechtsfähigen Stiftungen.

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Wie aussagekräftig sind die Daten?

Die meisten der Stiftungen mit Sportbezug haben nicht nur „Sport“, sondern mehrere Zwecke in ihren Satzungen verankert. Denn dadurch haben sie die Möglichkeit, flexibel auf gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren. Für die vorliegende Auswertung heißt das, dass nicht unbedingt alle Stiftungen, die laut Datenbank des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen „Sport“ im Satzungszweck oder den Stiftungsaktivitäten genannt haben, aktuell tatsächlich Sportaktivitäten förderten. Es ist auch möglich, dass zum Zeitpunkt der Abfrage ihre Aktivitäten schwerpunktmäßig auf einem anderen Satzungszweck lagen.

Welche Rolle übernehmen Stiftungen in der Sportförderung?

Stiftungen fördern häufiger Aktivitäten anderer oder unterstützen andere Institutionen, als dass sie eigene Sportprojekte umsetzen. Dies liegt teilweise auch an den spezifischen Akteurskonstellationen im Sportsystem der Bundesrepublik Deutschland, die sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte entwickelten. Interessenverbände und Staat arbeiten in Deutschland besonders eng und nach dem Prinzip der Subsidiarität zusammen – das heißt, die staatliche Sportförderung beachtet die Autonomie der Sportverbände und -vereine, springt aber dort ein, wo deren finanzielle Mittel nicht ausreichen. Sebastian Braun, Professor für Sportsoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, erläutert: „Die Struktur des Sportsystems mit eingespielten neo-korporatistischen Beziehungsmustern zwischen dem Deutschen Olympischen Sportbund und dessen autonomen Mitgliedsorganisationen einerseits und vielfältigen staatlichen Akteuren im föderalen politischen System andererseits hat bislang auch dazu beigetragen, dass Stiftungen in der Sport- und Bewegungskultur bislang eher die Rolle eines ‚ergänzenden Förderers‘ von Einzelprojekten auf der Basis von finanziellen Unterstützungsleistungen übernommen haben.“ Diese ausgeprägten Strukturen bedingen möglicherweise auch, dass sich sportfördernde Stiftungen hauptsächlich dem Breitensport widmen und vor allem Vereine vor Ort unterstützen. Leistungssport fördern hingegen vergleichsweise wenige Stiftungen, darunter die Stiftung Deutsche Sporthilfe, aber auch einige Landesstiftungen und lokal tätige Stiftungen, die Sportlerinnen und Sportlern ihrer Region helfen. Geht es um das Stiftungswirken in geografischer Hinsicht, so findet dieses vor allem vor Ort und in der Region statt.


1 Siehe beispielsweise zum Projekt „spin – sport interkulturell“: Braun, S. & Finke, S. (2010). Integrationsmotor Sportverein. Ergebnisse zum Modellprojekt „spin – sport interkulturell“. VS Verlag: Wiesbaden, oder die Arbeiten von Günter Pelshenke zur Stiftung Deutsche Sporthilfe: Pelshenke, G. (1999). Stiftung Deutsche Sporthilfe. Die ersten 25 Jahre. Peter Lang Verlag: Frankfurt am Main. | 2 Vgl. www.krohnbuch.krohn4u.de/kb_bo... st05.html (5.3.2015). | 3 Zitiert nach der Satzung der Stiftung. | 4 Siehe Endnote 10, hier S. 8. | 5 Siehe Endnote 11, hier S. 73 f.